Schweinchen Hugo reißt aus

3 Kommentare

Heute eine Kinderbuchrezension zum kürzlich erschienen Titel „Schweinchen Hugo reißt aus“ von Alexander Bulk.

Hugo Cover

Dies ist die Geschichte vom kleinen Schweinchen Hugo. Hugo ist ein junges Schwein, vielleicht sogar jünger als du. Seine Haut ist rosa und mit kleinen hellen Härchen besetzt. Er hat große, neugierig abstehende Ohren und eine niedliche Nase, die ein bisschen aussieht wie eine langgezogene Steckdose. Diesem Riecher entgeht nichts. Hugo kann damit erschnuppern, wo es etwas zu essen gibt, ob seine Mama in der Nähe ist oder wer gerade gepupst hat.

Schweinchen Hugo ist ein Ferkel, das zusammen mit seiner Mutter und vielen anderen Schweinen auf dem Bauernhof lebt. Klingt idyllisch. Wie wir wissen, verbirgt sich dahinter aber leider immer eine traurige Geschichte. Hugo träumt oft von saftigen grünen Wiesen und tollen Abenteuern in Freiheit. Am liebsten mit Matilda, seiner kräftigen Schweinefreundin. Als eines Tages seine Mutter spurlos verschwindet, will Hugo nicht glauben, dass sie abtransportiert wurde um für Menschen zu Essen verarbeitet zu werden. Erst ist er geschockt, dann überkommt ihn die verzweifelte Wut.

Aus der Verzweiflung heraus schmiedet Hugo einen Plan. Er möchte nicht, dass irgendein Schwein mehr dieses Schicksal widerfährt. Zusammen mit Matilda schafft er es aus dem Stall auszubrechen und auch, mithilfe des Bauernhofkaters, alle anderen Tiere zu retten. Sie lassen den Hof hinter sich und beginnen ein neues Leben in Freiheit.

Meine Tochter war auf die Geschichte insofern vorbereitet, als das sie weiß, warum es Bauernhöfe gibt. Sie gehört nicht zu den Sechsjährigen, die glauben, auf dem Bauernhof geht es den Tieren super und sie sind sowieso nur dazu da um von Kindern den ganzen Tag gestreichelt zu werden. Sie versteht auch tatsächlich seit geraumer Zeit, dass Tiere brutalst behandelt und umgebracht werden, damit ein paar Leute ihr vermeintlich leckeres Essen ohne das sie nicht leben können auf dem Teller liegen haben. Trotzdem war auch sie angesichts der Tatsache, dass Hugo seine Mama auf so unmenschliche Weise verlieren muss, kurz nachdenklich. Sie hat der Geschichte aufmerksam gelauscht, hat gemerkt, dass sogar ich schlucken musste und war entsprechend geplättet.

Ich bin mir nicht sicher, ob jedes sechsjährige Kind die Story so gut erträgt wie meine Tochter. Schließlich verbinden Kinder solche Geschichten mit ihrer Realität. Sie versetzen sich in die Lage der Figuren und leiden mit ihnen. Dass es dabei um sprechende Tiere geht, spielt keine Rolle. Seine Mutter auf so grausame Art und Weise zu verlieren ist für ein Kind schwer zu verdauen. Ich hätte ihr das Buch nicht vorgelesen, wenn ich mir nicht sicher gewesen wäre, dass sie damit umgehen kann.

Und nichtsdestotrotz gehört die Geschichte von Schweinchen Hugo mittlerweile zu den Lieblingsbüchern meiner Tochter. Der Verlust der Mutter wird nicht inflationär thematisiert. Hugo trauert, aber dann geht es auch weiter mit dem Pläne schmieden. Es bleibt kindlich oberflächlich, was auch wichtig und richtig ist. Thema ist dann schließlich auch, wie Hugo damit umgeht, nicht zu wissen, was vor dem Stall auf ihn zukommt. Das ist für Kinder ebenfalls ein wichtiges Thema (z.B. Schulanfang). Man kann eben nicht immer wissen, wie etwas wird, wenn man es vorher nicht kannte. Und trotzdem muss man es manchmal einfach machen. Hugo hat sich getraut, war mutig und wird zum Held. Das freute uns sehr :-).

Wir haben Hugos Geschichte bislang einige Male gelesen und denken uns jetzt ständig andere Wendungen aus – positive natürlich. So hat sich meine Tochter z.B. gewünscht, dass Hugos Mama einfach wieder zurück kommt. Daraus haben wir dann die folgende Abwandlung gemacht: als Hugo eines morgens aufwacht und seine Mutter nicht da ist, ist er völlig erschrocken und sucht sie natürlich, wie im Buch beschrieben. Aber dann wird sie nach ein paar Stunden wieder vom Bauern gebracht und sie erzählt, dass sie „nur“ gewogen wurde. Damit sie dann nicht tatsächlich zum Schlachthaus transportiert wird, schmiedet Hugo den gleichen Plan und im Prinzip geht die Geschichte 1:1 so weiter wie im Buch. Mit der kleinen, aber für Kinder glücklicheren Endung, dass Hugo eben seine Mama nicht verlieren muss und sie ebenfalls gerettet wird.

Ich bin selbstverständlich der Meinung, dass wir unseren Kindern nichts vormachen dürfen. Deswegen begrüße ich Kinderbücher, die mir dabei helfen, meinem Kind die Realität zu erklären ohne sie dabei gleich zu zerstören. Ich glaube nämlich auch, dass man Kindern mit zuviel Informationen auch für die Zukunft zermürben kann. Umso wichtiger also, dass die Geschichte ein halbwegs gutes Ende nimmt. Das selbstgestrickte Ende mit Hugos Mama aber gefällt ihr noch besser.

Hugos Geschichte ist liebevoll geschrieben und spannend. Einzig ein paar logische Hänger, die allerdings nicht weiter ins Gewicht fallen sind aufgefallen. Meine Tochter wunderte sich bswp. warum Hugo von saftigen grünen Wiesen träumt, wenn er doch gar nicht weiß, was das ist (die Mama hat’s ihm erzählt…, „woher weiß die das?„…, „die ist halt mal draßen gewesen, oder was weiß ich, ist jetzt halt so…“ :-))

Die kinderfreundlichen Illustrationen von Insa-Christina Müller sind sehr schön, ergänzen die Geschichte ganz wunderbar und lockern die gesamte Atmosphäre auf. Ohne Bilder würde meine Tochter die Geschichte nicht ständig vorgelesen haben wollen. Ein großes Lob an die Illustratorin dafür!

Abgerundet wird das Buch durch das sympathische Nachwort, in dem der Autor seine Beweggründe erläutert ein solches Buch für Kinder zu schreiben, und ein paar Geschichten von Tieren, die ihr Leben in Frieden und Freiheit leben dürfen, z.B. die Schweine Erna und Else oder Prinz Lui von Hof Butenland oder auch die Schweine Bonnie und Prinz vom Antitierbenutzungshof. Und abschließend gibt es noch ein paar Rezepte, die zum Nachkochen einladen.

Fazit: Alexander Bulk hat ein schönes aber kein beschönigendes Buch zum Thema geschrieben. Eltern sollten sich die Geschichte erst einmal alleine durchlesen und individuell entscheiden, ob es altersentsprechend für das eigene Kind geeignet ist. Es sollte aber definitiv irgendwann im Regal landen.

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3 Gedanken zu „Schweinchen Hugo reißt aus

  1. Klasse, dass deine Tochter damit so gut umgehen kann. Übrigens auch immer wieder beeindruckend, wie sehr solche kleinen logischen Fehler Kindern auffallen!

  2. Danke für diese ausführliche Rezension. Mein Sohn ist noch viel zu klein, aber vielleicht hol ich es mir schon mal „auf Vorrat“ 😉
    Lg,
    Flauschtrud

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