Buchtipp: Wie ich verlernte Tiere zu essen – Marsili Cronberg

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Ein Buch, welches erst kürzlich erschien und das ich gerne zum Einstieg weiter empfehle.

Wie ich verlernte Tier zu essen

Vegetarier nerven. Veganer sind Extremisten. Sie malen Probleme an die Wand, die gar keine sind. Und es werden immer mehr. Millionen sind es schon. Ja spinnen die denn alle?

Immer lauter werden ihre Stimmen. Ist es ein Trend? Oder stehen wir doch vor einem gesellschaftlichen Umbruch? Was ist, wenn an den Argumenten gegen das Tiereessen doch etwas dran ist? Und was sagen die Menschen der Zukunft dazu?

Marsili Cronberg hat sich mit Vegetariern und Veganern beschäftigt. Auf ungewöhnlichen und stets unterhaltsamen Wegen nähert er sich einer der meistdiskutierten Fragen der Gegenwart: „Ist es noch zeitgemäss, Tiere zu essen?“

Zum Einstieg empfehle ich es gerne, weil es unterhaltsam geschrieben ist und in Kürze viel Informationen zum Thema Tierrechte und Veganismus enthält. Mir ist bekannt, dass es auch kritische Stimmen zum Buch gibt, allerdings kann ich mich dem Inhalt nicht ganz anschließen. Ich bin überzeugt davon – mittlerweile auch aus Erfahrung -, dass man den Menschen selten mit der Holzhammermethode kommen kann. Die meisten begeben sich in eine Abwehrhaltung und treten die Flucht nach vorne an. Marsili Cronberg sieht das anscheinend ähnlich und freut sich auch über die kleinen Schritte zu einem besseren Verständnis für Tiere und ihr Leiden in unserer Gesellschaft.

Ich möchte nichts schön reden. Auch ich bin der Meinung, dass Vegetarismus nicht die letzte Konsequenz sein kann. Mir ist klar, dass es nicht unbedingt hilft „nur“ vegetarisch zu werden und damit zwar seine Stimme gegen den Fleischkonsum zu erheben, allerdings nicht gegen die massenhaften Misshandlungen und Folterungen der Milch-, Ei-, Woll- und sonstigen tierproduktionen.

Und trotzdem freue ich mich über jedes Buch das zum Thema erscheint. Auch wenn es nicht die letzte Konsequenz verfechtet. Vielleicht erreicht man ja damit auch die ein oder andere Person. Ich bin der Meinung, dass es nicht den einen einzig richtigen Weg gibt Menschen vom Veganismus zu überzeugen, sondern dass unterschiedliche Menschen auch unterschiedliche Herangehensweisen beanspruchen. Der Autor deckt eine Möglichkeit ab um Leute ins Boot zu holen.

Marsili Cronberg ist sicher nicht mit Karen Duve oder gar Jonathan Safran Foer vergleichbar. Es darf jedoch davon ausgegangen werden, dass dies gar nicht der Anspruch des Autoren war.  Er geht das Thema viel unverbindlicher an, aber nicht weniger ernsthaft. Auch wenn dies auf den ersten Blick gar nicht so erscheinen mag. Der Unterschied zu Duve und Foer ist spürbar: Cronberg befasst sich nicht erst seit kurzem mit dem Thema, sondern er ist ein Teil des Systems. Er betrachtet nicht von außen, wie es Duve und Foer getan haben, sondern schreibt mehr als Insider. Wenn es schon konkret um Tierrechte geht, dann ist klar, hier schreibt jemand, der schon etwas länger das Entsetzen über diese Zustände in unserer Gesellschaft mit sich herum trägt.

Was mir besonders gefällt sind seine „Nachrichten aus der Zukunft“, die er in Blogform (Nachrichten aus der Zukunft-Blog) veröffentlicht und wovon er einige mit in dieses Buch gepackt hat. Schon alleine dafür lohnt sich das Lesen!

Eine kleine Kostprobe (Seite 20/21):

„Was ist ‚VEGAN‘?

Die Fachzeitschrift „New Kids on the Blog“ fragte in ihrer Märzausgabe des Jahres 2192 einige Passanten auf der Straße: Was ist vegan? Hier die schönsten Antworten:

Sandra Sonderbar: Eine Farbe?

Bully Hossklau: Vegan, öhm, ich glaube, das war… öhm… war das eine, eine … so mit kleinen Lampen oben drauf… na!… Tut mir leid. Krieg’s nicht zusammen.

Walter Wagemut: Pfffffff

Almut Klopfer: Saurer Regen?

‚New Kids on the Blog‘ befragte daraufhin den Histothrophologen Prof. Dr. hist. Hatschi. Gesundheit. Dipl. habil. Theo von und zu Kastenberg:

Nun, wenn man die Bedeutung des Wortes ‚vegan‘ verstehen will, dann muss man sich zunächst einmal in die Zeit zurückversetzen, in der dieses Wort gebräuchlich war. Gehen wir einmal 190 Jahre zurück, ins Jahr 2000. Nun wird euch vielleicht schon ein Licht aufgehen, denn ja! Es ist die Zeit, die wir heute wegen der außer Kontrolle geratenen Wirtschaft als eine der dunkelsten Epochen der Menschheit betrachten. Stellt euch einmal vor, dass die Menschen damals unkontrolliert Tierfleisch und andere Tierprodukte zu sich nahmen. Stellt euch vor, dass es zu dieser Zeit sogar als gesund galt, so was Abstoßendes zu essen. Und die enorm steigenden Krankenzahlen waren die Grundlage für ein gewaltiges Gesundheitssystem, mit dem man den Menschen nochmals viel Geld aus den Taschen ziehen konnte.

Doch es gab zu dieser Zeit auch Menschen, die dieser Ausbeutung den Gehorsam versagten, indem sie zunächst auf Fleisch verzichteten – damals übrigens ‚vegetarisch‘ genannt – und später auf sämtliche Tierprodukte. Dies hieß dann ‚vegan‘.

Heute haben diese Begriffe keine Bedeutung mehr, denn kein Mensch würde in unserer Gesellschaft auf die Idee kommen, etwas von Tieren zu essen. Nicht nur weil es verboten ist oder allein die Vorstellung davon unseren Ekel erregt, sondern weil wir Tiere als unsere Schwestern und Brüder auf der Erde respektieren.

Ein weiterer Artikel, der im Januar diesen Jahres im „Kölner Stadtanzeiger“ veröffentlicht wurde hat damals meine Aufmerksamkeit an Marsili Cronberg geweckt: Veganer sind auch nur Menschen. Dieser Artikel, der auch im Buch abgedruckt ist, spricht mir aus dem Herzen! Es enthält auch viele weitere ähnliche Artikel.

Sehr empfehlenswert!

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Buchtipp: Vegane Köstlichkeiten – libanesisch

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Wieder einmal ein ganz wunderbares Kochbuch aus dem Hause Pala!

Libanesisch kochen – und das noch vegan! Ich hätte nicht gedacht, dass mich das reizen könnte. Aber weit gefehlt! Das Buch steckt voller liebevoll zusammengestellter Rezepte. Von Suppen über Saucen, Salate, Vorspeisen, Hauptgerichte, Nachspeisen und sogar Getränke ist alles enthalten. Die Zubereitungen sind einfach und die Zutaten gut erhältlich bzw., bis auf wenige Ausnahmen, im Vorratsschrank enthalten.

Vegane Köstlichkeiten - libanesisch

Wie immer gibt es auch hier keine Fotos vom Essen, dafür aber umso entzückendere Zeichnungen und stets die libanesische Betitelung des Gerichtes in entsprechender Schrift. Im vorderen Teil wird das Land beschrieben und die Essgewohnheiten. Man spürt, dass hier jemand schreibt, dem Land und Leute sehr nahe stehen.

Die Rezepte sind oft sehr schlicht, die Zutatenlisten sehr kurz. Auffallend häufig benutzt wird Granatapfelsirup, welches ich in der Regel nicht im Haus habe. Nichtsdestotrotz musste ich es mir über das Internet bestellen, da die Neugier einfach zu groß war. Und mittlerweile benutze ich das Sirup regelmäßig als Ergänzung in Salatsaucen – vor allem für Feldsalat.

Bei den Salaten allerdings fällt die Auswahl dann doch etwas zu karg aus. Basilikum-Tomaten-Salat oder Grüner Salat stellen keine Besonderheit dar und dürften für die meisten Leser/innen kein Problem bei der Zubereitung darstellen. Auch Kartoffel- und Nudelsalat sind keine Spezialitäten und eher übeflüssig. Hier hätte ich mir mehr spezifische Speisen gewünscht. Die Salatsauce besteht immer aus Zitronensaft und Öl, welche auch bei uns gängige Zutaten dafür sind. Insgesamt also ein Kapitel, welches etwas zu wünschen übrig lässt.

Alle weiteren Kapitel bestechen allerdings durch die schlichten und unaufwendigen Rezepte. Es macht Spaß diese nachzukochen, gerade weil sie so einfach sind. Ganz besonders gelungen finde ich die Menüvorschläge am Ende des Buches. Damit habe ich vor kurzem ein abendliches Menü gestaltet, das von Mann und Kind sehr gut angenommen wurde. Diese Ergänzung ist klasse und überaus gelungen!

Die Warenkunde am Ende des Buches ist ebenfalls sehr hilfreich und sinnvoll. Insgesamt also wieder ein überaus sympathisches Länderkochbuch von Pala. Sehr empfehlenswert!

Mein Menü enthielt folgende Gerichte: Tabboule mit Kichererbsen (S. 52, ohne Minze, dafür aber ein paar Chiliflocken), Falafel (S. 88) mit Tahindip (S.32), Fladenbrot (S. 90) und Grießauflauf (S. 132 mit Abwandlungen wie Reismilch anstatt O-Saft und Mandelmus anstatt Mandeln).

Buchtipp: Vegetarisch kochen – thailändisch

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Die Kochbücher aus dem Pala-Verlag gehören schon lange zu meinen liebsten! Ich warte sehnsüchtig auf Neuerscheinungen (vor allem im veganen Bereich) und freue mich über die vollwertigen Rezepte, die meist gut nachzukochen sind. Zu den Spitzenreiter meiner Sammlung gehören vor allem „So schmeckt’s Kindern vegetarisch“ und „Vegan unterwegs„. Beides unentbehrlich in meiner Küche mittlerweile.

So schmeckt's Kindern vegetarischVegan unterwegs

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Pala verlegt unter anderem aber auch eine sogenannte „Vegetarisch kochen“ – Reihe. Hiervon gibt es das thailändische Exemplar. Thailändisches Essen liegt mir, also war ich natürlich sehr begeistert als mir dieses Büchleich in den Briefkasten flatterte.

Vegetarisch kochen - thailändisch

Die Aufmachung ist schlicht wie immer – genau so, wie ich es auch gerne mag. Den Anfang bilden ein Kapitel über die Essgewohnheiten der Thailänder und ihre Besonderheiten. Es wird beschrieben, wie aufgestischt werden sollte um eine entsprechende Atmosphäre zu erhalten und auch zu den typischen Currypasten gibt es eine Seite. Die Warenkunde rund um typisch thailändische Kräuter, Aromen, Gewürze, Öle und Getreidearten runden den einleitenden Teil ab. Es beinhaltet viel Wissenswertes ohne auszuschweifen.

Der Rezepteteil gliedert sich wie folgt:

  • Würzpasten und Saucen
  • Suppen
  • Salate
  • Currys und Gemüse aus dem Wok
  • Reis- und Nudelpfannen
  • Snacks
  • Desserts
  • Tees und Drinks

Im Abschnitt Würzpasten und Saucen befinden sich selbstverständlich Rezepte für selbstgemachte Currypasten. Eigens ausprobiert wurde von mir die rote Currypaste, die sehr lecker war. Des Weiteren gibt es die klassische Erdnuss-Sauce und natürlich auch diverse Chilisaucenrezepte.

Die Rezepte sind durchweg gelungen und lassen sich problemlos veganisieren, besser gesagt sind die meisten Rezepte von Haus aus vegan. Einzig „Pilzsuppe mit Eierflocken“ oder „Reissuppe mit Kräuter-Ei“ sind evtl. etwas schwierig nachzukochen. Sicher kann man geschmacklich aber mit Tofu in diesen Fällen nachhelfen.

Sehr positiv fällt auf, dass die Speisen leicht nachzukochen sind, genaue Angaben enthalten – was ggf. für Anfänger wichtig ist – und vor allem auch in der Mehrheit schnell und unaufwendig aufgetischt werden können. Es gibt keine ausgeflippten Zutaten und Gemüsesorten sind größtenteils austauschbar. Ich halte mich ohnehin selten an Rezepte im Detail. Koriander ist in meiner Küche selten vorhanden und es muss auch schon mal Mangold die Stelle von Pok-Choi im Rezept einnehmen. Macht alles nichts, die Gerichte werden trotzdem gut.

Das Kapitel Tees und Drinks mag vielleicht nicht jedermans Sache sein, allerdings sind es ein paar wenige Seiten und die Getränke sind originell. Für all diejenigen, die sich daran erfreuen können sicher eine schöne Ergänzung.

Alles in allem ein sehr empfehlenswertes Kochbuch zum Thema thailändisch kochen, mit Grundrezepten bestückt und leckeren Wok- und Curryspeisen. Egal ob als Inspirationsgrundlage oder zum rezeptgenauen Nachkochen, es dürfte in beiden Fällen genügend dabei sein. Die Kochanleitungen sind gut beschrieben und die Zutaten gut bemessen – soweit ich das bisher beurteilen kann. Einziges (klitzekleines) Manko: keine Tipps zur Veganisierung. Gerade bei den Rezepten mit Ei wäre das von großem Vorteil.

Meine liebsten Rezepte aus diesem Buch: Reissuppe mit Kokosmilch und Kirschtomaten (die auch problemlos entfallen können), das Grüne Gemüsecurry und Gebratene Nudeln mit Thai-Dip. Ausgesprochen lecker!

Buchtipp: Tofu – fantastisch vegetarisch

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Tofu ist nicht unbedingt etwas, wonach ich großes Verlangen habe. Moment. Räuchertofu schon. Aber der normale geschmacklose Tofu ist mir persönlich einfach zu langweilig und zu sojabohnenlastig. Allerdings, und das habe ich mittlerweile gelernt, kommt es auch hier auf die richtige Zubereitung an. Und an dieser Stelle kommt das kleine aber feine Büchlein aus dem Pala-Verlag ins Spiel.

Tofu - fantastisch vegetarisch

In diesem Büchlein stecken reichlich Informationen zum Thema Tofu-Zubereitung. Es gibt zahlreiche Variationen an Marinaden und zig Gerichte.

Auf knapp 150 Seiten reihen sich ansprechende Rezepte, die sich gut nachkochen und problemlos als vegane Version zubereiten lassen. Sehr positiv fällt auf, dass die Autorin fast gänzlich darauf verzichtet die übliche Tofu-Historie in aller Länge auszuführen und somit wertvolle Seiten zu vergeuden.

Das wundervolle an diesem Buch: es steckt voller Inspirationen. Oft ist mir gar nicht nach Tofu zumute, aber ich habe schon einige Rezepte mit Seitan oder Grünkern nachgekocht, die extrem lecker wurden (z.B. Cannelloni mit Grünkern- anstatt Tofufüllung oder das Tofu-Pilz-Gericht mit mariniertem Seitan anstatt Tofu).

Der Rezepteteil beinhaltet folgende Kapitel:

  • Brotaufstrich
  • Suppen
  • Hauptgerichte
  • Überbackenes aus dem Ofen
  • Pikante Backwaren
  • Salate
  • Für besondere Gelegenheiten

Wie immer, wenn ein Buch aus dem Hause Pala kommt, gibt es auch hier keine Bilder zu den Rezepten. Bei einer Neuauflage würde ich ein Kapitel über Marinaden als Ergänzung vorschlagen.

Fazit: Wer nicht genau weiß, was mit Tofu alles angestellt werden kann und wie das Zeug schmackhaft zubereitet werden könnte, der ist mit diesem Buch bestens bedient. Alle anderen finden zahlreiche Ideen – auch für tofufreie Rezepte.

Meine liebsten Speisen aus diesem Buch: die oben erwähnten Cannelloni und das Tofu-Pfeffersteak!

Rezension: So schmeckt’s Kindern vegetarisch

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Ich hatte an anderer Stelle schon geäußert, dass ich die Bücher aus dem Pala-Verlag bevorzuge. Sie beinhalten stets jede Menge Informationen zum Thema und immer auch eine Fülle an guten Rezeptvorschlägen, die sich individuell weiter gestalten lassen.

Mein Lieblingskochbuch für’s Kind wird ebenfalls im Hause Pala verlegt. Die Autorin, Irmela Erckenbrecht, ist selbst vegetarische Mutter und stellt in diesem Buch nicht nur ihre erfolgreichen Rezepte zur Verfügung, sondern auch ihre Tipps und ihr Wissen zum Thema Vegetarismus bei Kindern.

So schmeckt's Kindern...

Das Buch ist kein reines Rezeptebuch. Im ersten Teil, welcher sogar mehr als die Hälfte ausmacht, werden allgemeine Themen angegangen, die für alle Umsteiger wertvoll sind. Vor allem werden hier viele Vorurteile aus dem Weg geräumt, die es Eltern schwer machen sich für eine rein vegetarische Ernährung ihrer Kinder zu entscheiden. Besonders interessant sind in diesem Zusammenhang die ersten zwei Kapitel des Buches sowie der Einkaufsführer.

1.Warum vegetarische Kinder so gesund und munter sind
2. Diese Nährstoffe braucht ihr Kind
3. Und was ist mit den leidigen Süßigkeiten?
4. Kleiner Einkaufsführer: Bewährte Zutaten aus der vegetarischen Vollwertkost
5. Wie vermitteln wir unseren Kindern ein gesundes Ernährungsbewusstsein?
6. Mother’s little helpers: Kinder an die (Küchen-)Macht!
7. Essen zu Hause: Spaß und Freude an gemeinsamen Mahlzeiten
8. Essen im Restaurant: Das McDonald’s Phänomen und was wir daraus lernen können
9. Essstörungen und Gewichtsprobleme

Im Kapitel Nährstoffe gibt es zwei Punkte, die mir negativ aufgefallen sind. Die Autorin empfiehlt jodiertes Speisesalz zur Zubereitung von Nahrung. Nun ist es aber leider so, dass diese chemisch hergestellten Kochsalze mit dem ebenso chemisch zugesetzten Jod sehr kontraproduktiv und damit auch in hohem Maße gesundheitsschädlich sein können. Sie empfiehlt zwar auch Meersalz, aber gerade dabei sollte sie es auch belassen. Ich bin der Meinung, dass eine Empfehlung für stark natriumhaltige Lebensmittel mit Jodzusätzen in einem Kochbuch für gesunde Ernährung bei Kindern nichts zu suchen hat.
Darüber hinaus sollte immer der individuelle Jodhaushalt ermittelt werden, bevor man mit stark jodierten Lebensmitteln arbeitet. Ich selbst bspw. muss aufgrund meiner Schilddrüsenerkrankung darauf achten, jodierte Lebensmittel zu meiden.

Ein weiterer Punkt ist das leidige B12-Thema. Die Autorin empfiehlt Milch- und Eiprodukte in Maßen um die Versorung mit diesem Vitamin abzudecken. Das ist grundsätzlich natürlich richtig. Allerdings stört es mich, wenn paschaul bedenkliche Lebensmittel – wozu Milch und Eier definitiv gehören -, ohne kritische Betrachtung empfohlen werden. Vielmehr sollte den Leser/innen bewusst vorgeführt werden, welche Nachteile mit den Vorteilen einhergehen (Überdosierung an Hormonen bei Milchkonsum – gerade bei Mädchen kritisch, Eiweißabbau im Kleinkindkörper, Cholesterin im Ei etc.). Dies soll an dieser Stelle kein Für und Wider vegetarischer/veganer Ernährung sein (ich selbst ernähre meine Tochter vegetarisch), sondern darauf hinweisen, dass pauschale Empfehlungen nicht zur Aufklärung beitragen, sondern lediglich die Leser/innen in Sicherheit wiegen alles richtig zu machen, wenn ihre Kinder Milch und Eier „in Maßen“ konsumieren. Dabei bleibt es jedem selbst überlassen zu interpretieren, was „in Maßen“ eigentlich bedeutet. Da werden nur die wirklich kritischen Leser/innen nochmal hinterfragen, wenn sie das nicht schon längst getan haben. Alle anderen werden ihre jetzige Vorgehensweise als „in Maßen“ definieren. Das zeigt die Erfahrung. Meine Meinung: zu der Auseinandersetzung mit einem Thema gehörte die differenzierte und ganzheitliche Betrachtung aller Aspekte und nicht ausschließlich die Betrachtung der jeweiligen Vor- und Nachteile ohne Gegenüberstellung der jeweiligen Vor- und Nachteile und Konsequenzen. Wenn man das nicht ausführen möchte, dann sollten entsprechende Verweise für weiterführende Informationen angegeben werden.

Vitamin B12 ist übrigens nicht per se ein Problem der veganen Welt. Jeder, der eine gestörte Darmflora hat bzw. dem der Intrinsic Factor zur Resorption fehlt hat ein Vitamin B12-Problem. Das fatale an einem Mangel ist natürlich, dass die Erscheinungen erst zutage kommen, wenn es eigentlich schon zu spät ist. Ich empfehle zu diesem Thema die Lektüre „Vitamin-B12-Mangel bei veganer Ernährung: Mythen und Realitäten aufgezeigt anhand einer empirischen Studie„, die sich sehr kritisch mit dem Thema befasst und nicht nur für vegan lebende Menschen interessant ist.

Dann hätte ich noch einen kleinen Punkt zum Thema Eisen. Was überaus positiv auffällt ist die Betonung der Autorin eisenhaltige Lebensmittel immer in Verbindung mit aufnahmefördernden Lebensmitteln zu sich zu nehmen – gerade mit Vitamin C zusammen eine unschlagbare Kombi für vegetarisch lebende Menschen.
Allerdings schreibt sie leider auch, dass Spinat zu den eisenreichen Lebensmittel gehören. Das ist zwar grundsätzlich nicht ganz verkehrt (trotz lange falsch gesetzter Kommatas :-)), aber wichtig dabei ist dennoch die Bioverfügbarkeit [1] des Eisens im Spinat zu betrachten. Leider wird das Eisen im Spinat aufgrund seines hohen Gehaltes an Kalzium und Polyphenolen (laut neuer Studien nicht aufgrund der Oxalsäure!) nur zu 8% vom Körper resorbiert, womit es eine eher bescheidene Quelle darstellt [2]. Die besten Lieferanten sind Nüsse, Getreide/Getreideprodukte sowie Hülsenfrüchte, wie z.B. Kürbiskerne, Sesamsamen, Leinsamen, Amaranth, Hirse, Quinoa, Hafer, Linsen etc., wobei Kürbiskerne hierbei an der Spitze stehen. Schwarze Melasse ist ebenfalls sehr empfehlenswert.
Also einfach mal an die Kürbiskerne im Salat gewöhnen (Standardsalat bei uns: Paprikasalat mit viel roter Paprika und Kürbiskernen bestreut) oder über Gemüsesaucen streuen und dazu noch ein Glas frisch gepressten O-Saft oder Zitronensaft trinken oder eine Kiwi essen. Studien belegen allerdings, dass Vegetarier nicht mehr oder weniger an Eisenmangel leiden als ihre omnivoren Mitmenschen [3]. Ein gut zusammen gestellter Speiseplan erfordert eben bei allen Ernährungsformen ein bisschen Hintergrundwissen.

Nichtsdestotrotz ist der theoretische Teil zur vegetarischen Ernährung überaus informativ und hilfreich – vor allem für Umsteiger mit Kindern. Die Autorin spricht auch das Thema Bio an und wie falsche Erwartungshaltungen und vor allem das falsche Konsumverhalten dazu führen Bio als „teuer“ zu empfinden. Klar, Bio ist teuer, wenn wir es mit ALDI vergleichen, wo wir das Hackfleisch für 2 Euro hinterher geschmissen bekommen. Die Frage ist nur, welchen Preis die Gesundheit, die Umwelt und vor allem auch die Tierwelt dafür bezahlen muss, dass jeder sein Fleisch für 2 Euro hinterher geschmissen haben will. An dieser Stelle fehlen dem Kapitel nur noch einige wichtige Informationsquellen für weiterführende Infos, die unbedingt notwendig wären um eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema bei Leser/innen zu fördern.

Letztlich geht die Autorin auch explizit auf die Ernährungserziehung ein. Sie betont, dass es unmöglich ist Kindern einen vernünftigen Umgang mit Nahrung beizubringen, wenn man selbst nicht bereit ist die notwendigen Umstellungen an sich selbst vorzunehmen (das „Wasser predigen aber Wein trinken“-Prinzip). Ernährungserziehung beginnt im Kopf der Eltern und nicht in den Köpfen der Kinder. Die nehmen nur auf, was wir ihnen zeigen („Hört auf eure Kinder zu erziehen, sie machen euch sowieso alles nach!“). Die Autorin gibt gute Tipps und Ratschläge und zeigt auch ganz deutlich, dass es darauf ankommt entspannt mit dem Thema Ernährung umzugehen. Einfach essen, was gut für uns ist. Weder übertriebene Sorge wegen ungesunder Lebensmittel noch der völlig sorglose Umgang mit dem Thema Ernährung sind gute Einstellungen. Verbote oder sorgloser Umgang helfen unseren Kinder nicht. So lange sie noch viel in unserer Nähe sind, nicht sprechen können, das Verständnis noch nicht haben, haben wir einzig durch unser Verhalten enormen Einfluss auf sie. Später können wir ihnen die Dinge auch erklären ohne Verbote auszusprechen oder sie essen zu lassen, was sie wollen. Ich begrüße die Einstellung der Autorin, da sie einen entspannten Umgang empfiehlt, was sicherlich nur helfen kann.

Nun zum Rezepteteil des Buches. Untergliedert sind die Rezepte in Frühstück, Brotaufstriche, Brote für zuhause und zum Mitnehmen, Suppen, Salate, Hauptgerichte, Süßes und Desserts, Kindergeburtstag und Durstlöscher und Schlürfgetränke.

Die Rezepte sind wirklich einfach und kindgerecht. Die Erfahrung im Umgang mit der Erstellung von Kinderrezepten ist der Autorin anzumerken. Ich habe viele Ideen aus diesem Buch – auch für den Kindergeburtstag ist einiges dabei. Die Zutaten sind für einen vegetarischen Haushalt keine Besonderheiten und auch die Zubereitung ist stets erfreulich schlicht gehalten. So lassen die Rezepte genug Freiraum für eigene Anpassungen. Es gibt nur sehr wenige Gerichte, die sich nicht gut an die Vorlieben des eigenen Kindes anpassen lassen. Der im vorigen Beitrag vorgestellte Linseneintopf ist ebenfalls ein Rezept aus diesem Buch. Ich werde hin und wieder weitere Rezepte vorstellen und selbstverständlich auf das Buch verweisen.

Was nicht unerwähnt bleiben soll ist die Stimmigkeit der Zusammensetzung der Gerichte. Ich hatte bisher keine Missgeschicke wegen fehlerhafter Mengenangaben oder fehlender Zutaten (was keine Seltenheit bei Kochbüchern ist).

Fazit: Ein sehr gelungenes Kochbuch für vegetarische und vollwertige Ernährung bei Kindern, dessen Rezepte wirklich kindgerecht vollwertig sind. Selbstverständlich schmecken die Speisen Erwachsenen ebenso. Ich möchte es nicht mehr in meiner Kochbuchsammlung missen. Sehr empfehlenswert!

Angaben zum Buch:
So schmeckt’s Kindern vegetarisch
Irmela Erckenbrecht
180 Seiten, 14 Euro
Pala Verlag
ISBN: 3895661708

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[1] Bioverfügbarkeit: die Menge eines Nährstoffs, die tatsächlich aus einem Lebensmittel im Körper aufgenommen und zur Verfügung gestellt wird. Diese Menge entspricht nicht zwingend der Menge, die tatsächlich im Lebensmittel vorhanden ist, sondern hängt bei vielen Vitaminen/Mineralstoffen von Begleitsubstanzen ab.
[2]: siehe hierzu „Vegetarische Ernährung“, Leitzmann/Keller, 2. Auflage, 2010, S. 218.
[3]: siehe hierzu „Vegetarische Ernährung“, Leitzmann/Keller, 2. Auflage, 2010, S. 222.