Buchtipp: Wie ich verlernte Tiere zu essen – Marsili Cronberg

3 Kommentare

Ein Buch, welches erst kürzlich erschien und das ich gerne zum Einstieg weiter empfehle.

Wie ich verlernte Tier zu essen

Vegetarier nerven. Veganer sind Extremisten. Sie malen Probleme an die Wand, die gar keine sind. Und es werden immer mehr. Millionen sind es schon. Ja spinnen die denn alle?

Immer lauter werden ihre Stimmen. Ist es ein Trend? Oder stehen wir doch vor einem gesellschaftlichen Umbruch? Was ist, wenn an den Argumenten gegen das Tiereessen doch etwas dran ist? Und was sagen die Menschen der Zukunft dazu?

Marsili Cronberg hat sich mit Vegetariern und Veganern beschäftigt. Auf ungewöhnlichen und stets unterhaltsamen Wegen nähert er sich einer der meistdiskutierten Fragen der Gegenwart: „Ist es noch zeitgemäss, Tiere zu essen?“

Zum Einstieg empfehle ich es gerne, weil es unterhaltsam geschrieben ist und in Kürze viel Informationen zum Thema Tierrechte und Veganismus enthält. Mir ist bekannt, dass es auch kritische Stimmen zum Buch gibt, allerdings kann ich mich dem Inhalt nicht ganz anschließen. Ich bin überzeugt davon – mittlerweile auch aus Erfahrung -, dass man den Menschen selten mit der Holzhammermethode kommen kann. Die meisten begeben sich in eine Abwehrhaltung und treten die Flucht nach vorne an. Marsili Cronberg sieht das anscheinend ähnlich und freut sich auch über die kleinen Schritte zu einem besseren Verständnis für Tiere und ihr Leiden in unserer Gesellschaft.

Ich möchte nichts schön reden. Auch ich bin der Meinung, dass Vegetarismus nicht die letzte Konsequenz sein kann. Mir ist klar, dass es nicht unbedingt hilft „nur“ vegetarisch zu werden und damit zwar seine Stimme gegen den Fleischkonsum zu erheben, allerdings nicht gegen die massenhaften Misshandlungen und Folterungen der Milch-, Ei-, Woll- und sonstigen tierproduktionen.

Und trotzdem freue ich mich über jedes Buch das zum Thema erscheint. Auch wenn es nicht die letzte Konsequenz verfechtet. Vielleicht erreicht man ja damit auch die ein oder andere Person. Ich bin der Meinung, dass es nicht den einen einzig richtigen Weg gibt Menschen vom Veganismus zu überzeugen, sondern dass unterschiedliche Menschen auch unterschiedliche Herangehensweisen beanspruchen. Der Autor deckt eine Möglichkeit ab um Leute ins Boot zu holen.

Marsili Cronberg ist sicher nicht mit Karen Duve oder gar Jonathan Safran Foer vergleichbar. Es darf jedoch davon ausgegangen werden, dass dies gar nicht der Anspruch des Autoren war.  Er geht das Thema viel unverbindlicher an, aber nicht weniger ernsthaft. Auch wenn dies auf den ersten Blick gar nicht so erscheinen mag. Der Unterschied zu Duve und Foer ist spürbar: Cronberg befasst sich nicht erst seit kurzem mit dem Thema, sondern er ist ein Teil des Systems. Er betrachtet nicht von außen, wie es Duve und Foer getan haben, sondern schreibt mehr als Insider. Wenn es schon konkret um Tierrechte geht, dann ist klar, hier schreibt jemand, der schon etwas länger das Entsetzen über diese Zustände in unserer Gesellschaft mit sich herum trägt.

Was mir besonders gefällt sind seine „Nachrichten aus der Zukunft“, die er in Blogform (Nachrichten aus der Zukunft-Blog) veröffentlicht und wovon er einige mit in dieses Buch gepackt hat. Schon alleine dafür lohnt sich das Lesen!

Eine kleine Kostprobe (Seite 20/21):

„Was ist ‚VEGAN‘?

Die Fachzeitschrift „New Kids on the Blog“ fragte in ihrer Märzausgabe des Jahres 2192 einige Passanten auf der Straße: Was ist vegan? Hier die schönsten Antworten:

Sandra Sonderbar: Eine Farbe?

Bully Hossklau: Vegan, öhm, ich glaube, das war… öhm… war das eine, eine … so mit kleinen Lampen oben drauf… na!… Tut mir leid. Krieg’s nicht zusammen.

Walter Wagemut: Pfffffff

Almut Klopfer: Saurer Regen?

‚New Kids on the Blog‘ befragte daraufhin den Histothrophologen Prof. Dr. hist. Hatschi. Gesundheit. Dipl. habil. Theo von und zu Kastenberg:

Nun, wenn man die Bedeutung des Wortes ‚vegan‘ verstehen will, dann muss man sich zunächst einmal in die Zeit zurückversetzen, in der dieses Wort gebräuchlich war. Gehen wir einmal 190 Jahre zurück, ins Jahr 2000. Nun wird euch vielleicht schon ein Licht aufgehen, denn ja! Es ist die Zeit, die wir heute wegen der außer Kontrolle geratenen Wirtschaft als eine der dunkelsten Epochen der Menschheit betrachten. Stellt euch einmal vor, dass die Menschen damals unkontrolliert Tierfleisch und andere Tierprodukte zu sich nahmen. Stellt euch vor, dass es zu dieser Zeit sogar als gesund galt, so was Abstoßendes zu essen. Und die enorm steigenden Krankenzahlen waren die Grundlage für ein gewaltiges Gesundheitssystem, mit dem man den Menschen nochmals viel Geld aus den Taschen ziehen konnte.

Doch es gab zu dieser Zeit auch Menschen, die dieser Ausbeutung den Gehorsam versagten, indem sie zunächst auf Fleisch verzichteten – damals übrigens ‚vegetarisch‘ genannt – und später auf sämtliche Tierprodukte. Dies hieß dann ‚vegan‘.

Heute haben diese Begriffe keine Bedeutung mehr, denn kein Mensch würde in unserer Gesellschaft auf die Idee kommen, etwas von Tieren zu essen. Nicht nur weil es verboten ist oder allein die Vorstellung davon unseren Ekel erregt, sondern weil wir Tiere als unsere Schwestern und Brüder auf der Erde respektieren.

Ein weiterer Artikel, der im Januar diesen Jahres im „Kölner Stadtanzeiger“ veröffentlicht wurde hat damals meine Aufmerksamkeit an Marsili Cronberg geweckt: Veganer sind auch nur Menschen. Dieser Artikel, der auch im Buch abgedruckt ist, spricht mir aus dem Herzen! Es enthält auch viele weitere ähnliche Artikel.

Sehr empfehlenswert!

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3 Gedanken zu „Buchtipp: Wie ich verlernte Tiere zu essen – Marsili Cronberg

  1. Ich empfand das Buch als sehr erfrischend. Auch weil es sich nicht nur rein mit dem Veganjsmus beschäftigt, sondern auch unser politisches System ein wenig unter die Lupe nimmt. 
    Ich habe es öfter in der Öffentlichkeit gelesen (U-Bahn, Fitnessstudio) und musste mehr als nur schmunzeln, da wurde ich fast schon gefragt warum ich denn beim Lesen lache – aber der Schreibstil war einfach mitreißend.

    • Es stimmt wohl, je weiter man liest desto mehr geht es ans Eingemachte in Bezug auf die unterschiedlichen Haltungen und die getrennten Lager, wo eigentlich Solidarität gefordert wäre. Da spürt man eben, dass Cronberg kein „Anfänger“ ist in Sachen Veganismus. Insofern würde ich das letzte Drittel sicher nicht speziell für Einsteiger empfehlen.

      Übrigens: eine schöne Rezi hast du verfasst!

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